Altersarmut ist in der Regel weiblich.

Das mein Politikwissenschaftlerin Prof. Ute Klammer im Gespräch mit dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) . Klammer forscht zu den Verbindungen zwischen Erwerbsbiographie und Alterssicherung. Dabei hat sich auch gezeigt, dass Männer beim Armutsrisiko im Alter inzwischen “aufgeholt” haben.

Klammer: "Langsam macht sich die gestiegene Erwerbsorientierung westdeutscher Frauen auch in einem Anstieg eigenständiger Rentenansprüche bemerkbar. Der Gewinn ist allerdings nur relativ: Bedingt durch unstetiger gewordene Erwerbsbiografien, aber auch Kürzungen im System der gesetzlichen Rente gehen die Rentenansprüche von westdeutschen Männern und Menschen beiderlei Geschlechts in Ostdeutschland zurück. Dadurch können westdeutsche Frauen ihre relative Position verbessern. Zudem wird sich der gegenwärtig bei (westdeutschen) Frauen charakteristische Befund, dass die Rente umso niedriger liegt, je mehr Kinder erzogen wurden, künftig durch die verbesserte Anrechnung von Kindererziehungszeiten abschwächen.

Einen Grund zur Entwarnung sieht sie nicht. Klammer: "Zugangsrenten westdeutscher Frauen liegen immer noch rund 40 Prozent unter dem Wert für Männer. Bezieht man die eigenständigen Ansprüche aus der betrieblichen und privaten Alterssicherung mit ein, beläuft sich der „gender pension gap“ sogar auf knapp 60 Prozent. Die Rente des Partners bzw. später die Witwenrente bleibt für viele Frauen insofern weiterhin eine wichtige Quelle des Alterseinkommens. Über die geringste Kaufkraft im Alter verfügen unter den alleinlebenden älteren Frauen diejenigen, die durch Trennung und Scheidung einen unerwarteten „Rollenwechsel“ bewältigen mussten."